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Halberstädter Domfestspiele
1. bis 3. Juni 2012
DIALOG DER RELIGIONEN



Freitag, 1. Juni 2012, 19:30 Uhr

BALLETT Maria Magdalena

Dom St. Stephanus

Musik von Irineos Triandafillou | Inszenierung und Choreografie: Jaroslaw Jurasz | Ausstattung: Kordula Kirchmair-Stövesand | Choreografische Assistenz: Daniel James Butler | Mit Kimiko Koo (Maria Magdalena), Nina Schubert (Maria Magdalena II und Sologesang), Daniel James Butler (Jesus), Katia Alves de Alencar (Mutter Maria), Lukas Maschke (Orgel), Ballett und Chor des Nordharzer Städtebundtheaters | Karten zu 22 € (mit Bühnencard 17 €) über Service-Stellen der Volksstimme, biber ticket-Hotline 01815/121310 oder Theaterkasse Tel: 03941/696565

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Irineos Triandafillou: Einige Worte zum Werk
Maria Magdalena ist eine der „menschlichsten“ heiligen Personen. Sie ist nicht gütig und rein, wie Maria, geboren worden. Sie stieg aus der Sünde heraus hoch auf den Rang der Heiligen. Und das erreichte sie durch ihre Liebe zu Jesus. Diese göttliche, heilige und erlösende Liebe belehrt uns ihre Geschichte. Wer von uns ist sündenfrei? Wer hatte keine Fehltritte in seinem Leben? Maria Magdalena zeigt uns den Weg der Erlösung. Er ist die Liebe. Er ist Reue. Die Passion Christi war ihre Passion. Seine Auferstehung war auch die ihre.
Musikalisch begegnet die westliche Ausdrucksweise der Ostmittelmeermusiktradition. Das Drama verläuft auf verschiedenen Ebenen. Die lyrischen Elemente entladen sich ungewöhnlicherweise oft eruptiv, wodurch die innere Wende Magdalenas unterstrichen wird. Liebe und Hass bilden die Pole, zwischen denen Bewegung entsteht: Welten bewegen, treffen und verschmelzen sich. Der Weg ist einer.
Die gesungenen Texte entstammen einerseits der Feder des deutschen Giganten Hermann Hesse und fokussieren auf das Kernthema „Liebe“, andererseits entstammen sie der Heiligen Hymnologie der Karwoche der Urchristlichen Kirche. Deswegen besitzen sie ökumenischen Charakter. Hier ist das Thema Maria Magdalena selbst und die Auferstehung des Herrn.

Anlässlich der Uraufführung schrieb die Halberstädter Volksstimme am 4.6.2011
Zu den alljährlichen Domfestspielen in Halberstadt beschert Jaroslaw Jurasz dem Publikum seit Jahren Ballettaufführungen, die exklusiver nicht sein könnten. Für das Ballett ,,Maria Magdalena“ komponierte der Grieche Irineos Triandafillou die Musik. […]Es ist eine expressive, dramatische Musik voll treibender Motorik, deren Bestandteile im Dom diszipliniert zusammen gehalten wurden. Zugleich hat sie lyrische Momente von großer Zartheit. Jurasz splittet die titelgebende Figur in eine tanzende und eine singende Magdalena auf. […] Tanz, Musik, Orgelspiel, Chöre und Ausstattung verschmelzen mit der Architektur des gotischen Domes zu einem großartigen Gesamtkunstwerk. […] Das gesamte Ballettensemble und der Chor schaffen spannende Bilder der Karwoche. […] Eine leise, stille Annährung an eine Frau, die seit fast 2000 Jahren als ,,Apostelgleiche“ verehrt wird.



Samstag, 2. Juni 2012, 18:00 Uhr

ORATORIUM

Schubert: 92. Psalm | Mendelssohn Bartholdy: Lobgesang | Bernstein: Chichester Psalms

Dom St. Stephanus

Leitung: Domkantor KMD Claus-Erhard Heinrich | Solisten: N.N. (Knabenstimme), Susanna Pütters (Sopran, Braunschweig), Irmgard Weber (Sopran, Hannover), Peter Diebschlag (Tenor, Magdeburg). Kantorei Halberstadt und Kantorei an St. Katharinen Braunschweig, Mitglieder des Staatsorchesters Braunschweig | Karten zu 10 bis 22 € über Service-Stellen der Volksstimme, biber-ticket-Hotline 01805/121310 oder Buchhandlung Schönherr Tel: 03941/24105 | MusikSchatzTicket 12 €

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1712 wurde in Halberstadt die Barocksynagoge eingeweiht, ein von Berend Lehmann gestifteter Prachtbau, der einerseits die Nachbarhäuser überragte, wie es der Talmud fordert, andererseits sich von der Straße aus hinter den Nachbarhäusern versteckte, wie es die damalige nicht-jüdische Gesellschaft verlangte. Aus diesem Anlass finden die Domfestspiele 2012 unter dem Titel „Dialog der Religionen“ statt. Deshalb verbinden die drei Werken des Oratoriums am Samstag alle Jüdisches und Christliches. Ihnen liegen Psalmtexte zugrunde, die im jüdischen wie christlichen Gottesdienst eine zentrale Rolle spielen.
Franz Schubert, ein Katholik, komponierte den 92. Psalm für die Wiener Synagoge in Hebräisch. Bei den Domfestspielen erklingt er in der deutschen Übersetzung von Moses Mendelssohn, dem Halberstadt durch die Moses Mendelssohn Akademie besonders verbunden ist.
Felix Mendelssohn Bartholdy, ein Protestant mit jüdischen Wurzeln, verschmolz im Lobgesang Sinfonie und Kantate. Chor und Solisten treten erst im zweiten Teil zum Orchester dazu. So entstand ein wirkungsvolles Werk jenseits kirchlicher und konfessioneller Grenzen, das sich folgerichtig in Konzertsaal wie Kirche behauptet. Damit steht der Lobgesang in der Tradition des Messias von Händel als geistlichem Werk für den Konzertsaal und der IX. Sinfonie von Beethoven als Sinfonie mit oratorischem Schlussteil, der bei Mendelssohn im Vergleich zum sinfonischen Beginn an Bedeutung gewonnen hat. Beide Tendenzen – Religiosität jenseits kirchlicher Bindung und Erweiterung der instrumentalen Mittel durch Einbeziehung von Chor und Solisten (sh. auch Mahler) - sind typisch für die Romantik.
Leonard Bernstein, ein berühmter jüdisch-amerikanischer Dirigent und Komponist (z. B. „West Side Story“) komponierte 1965 im Auftrag der Kathedrale von Chichester seine „Chichester Psalms“ auf Hebräisch. Dabei verbindet er Klassik und Musical in höchster Attraktivität. Unregelmäßige Taktarten, klangsinnliche Melodien, zarteste Töne und vitale Ausbrüche wechseln sich ab, ehe das Werk ganz leise mit „Hineh matov umah naim shevet ahim gam yahad“ verklingt - übersetzt „Wie schön und wie lieblich ist es, wenn Brüder in Frieden beieinander wohnen“.

Susanna Pütters (Sopran)
wurde in Krefeld geboren. Parallel zu ihrem Theologie- und Kirchenmusikstudium studierte sie an der Düsseldorfer Robert-Schumann-Hochschule Gesang. Zu ihren Auszeichnungen gehört der Preis der Deutschen Oper Berlin beim Bundeswettbewerb Gesang.

Zu den Dirigenten, mit denen sie arbeitete, gehören u. a. Stefan Soltesz, Julia Jones, Roger Epple, Marcello Viotti, Reinhard Goebel, Alexander Joel, Roderich Kreile und Hans-Christoph Rademann. Sie sang u. a. mit dem Dresdner Kreuzchor, mit dem Orquestra Sinfônica do Estado de São Paulo, beim Fest Alter Musik im Erzgebirge, bei den Festlichen Tagen Alter Musik in Dresden, bei der Bachwoche in Ansbach, beim Festival Europäische Kirchenmusik Schwäbisch Gmünd.

Zu den zahlreichen Fachpartien des klassischen Opernrepertoires, die sie bisher verkörperte gehören ELVIRA (Don Giovanni), FIORDILIGI (Cosi fan tutte), VITELLIA (La Clemenza di Tito), MICAELA (Carmen), TATJANA (Evgeny Onegin), AGATHE (Der Freischütz), MADAME LIDOINE (Les Dialogues des Carmélites), FRAU FLUTH (Die lustigen Weiber von Windsor), MORGANA (Die Liebe zu den drei Orangen), NEDDA (Pagliacci), ALCESTE (Alceste), HANNA GLAWARI (Die lustige Witwe). 2012 wird sie als ELSA (Lohengrin) debütieren.



Sonntag, 3. Juni 2012, 10:00 Uhr

FESTGOTTESDIENST

Dom St. Stephanus

Mit Dr. Torsten Göhler (Predigt), Patrick Maul (Posaune), Domkantor KMD Claus-Erhard Heinrich (Orgel)


Sonntag, 3. Juni 2012, 11:15 Uhr

SPAZIERGANG ZUM LÄNGSTEN MUSIKSTÜCK DER WELT

Treff: Dom St. Stephanus, Westportal

Führung zum John-Cage-Orgel-Kunst-Projekt im Burchardikloster


Sonntag, 3. Juni 2012, 18:00 Uhr

ORCHESTERKONZERT DIASPORA — 300 JAHRE SYNAGOGE HALBERSTADT

Kaminer: Diaspora | Bernstein: 1. Sinfonie | Mendelssohn Bartholdy: Trompetenouvertüre| Händel: Israel in Ägypten (Ausschnitte)

Dom St. Stephanus

Dirigent: MD Johannes Rieger | Regina Pätzer (Mezzosopran) | Solisten und Orchester des Nordharzer Städtebundtheaters | Karten zu 22 € (mit Bühnencard 17 €) über Service-Stellen der Volksstimme, biber ticket-Hotline 01815/121310 oder Theaterkasse Tel: 03941/696565

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Elischa Kaminer (geb. 1991): DIASPORA

Das griechische Wort ‚Diaspora’ bedeutet übersetzt ‚Zerstreuung’. Meist beschreibt es den Zustand einer im Exil lebenden religiösen oder ethnischen Minderheit, einen Zustand der Entwurzelung, der Heimatlosigkeit. Gleichermaßen bedeutet es neue Wurzeln in jener Fremde zu schlagen, es bedeutet Weiterleben. Die Geschichte der jüdischen Diaspora zeigt exemplarisch, dass das Exil ein Ort der Blüte und Prosperität auf der einen Seite, ein Ort der Vernichtung auf der anderen sein kann. Mit dieser Komposition habe ich versucht, meinem persönlichen Verständnis des Begriffs ‚Diaspora’ Ausdruck zu verleihen. Für den Aufbau des Stücks dienten historische Ereignisse in dem Zeitraum von der Zerstörung des Jerusalemer Tempels um 598 v. Ch. und der Gründung des Staates Israel 1948 als Anregung.

Das musikalische Grundmaterial besteht aus drei Melodien, die in der jüdischen Tradition und Geschichte von hoher Bedeutung sind. Es handelt sich hierbei um die Melodie zweier liturgischer Gesänge sowie die Melodie der israelischen Nationalhymne „Hatikvah“. Letztere basiert bekannterweise auf einer europäischen Volksmelodie. Meines Erachtens unterstreicht die Tatsache, dass jene Melodie der Hatikva ihre Wurzeln in der Folklore einer anderen Kultur hat, dass die Geschichte des jüdischen Volkes maßgebend durch das Leben im Exil und Assimilation geprägt ist. Bei der zweiten Melodie, mit der das Stück im Cello-Solo eingeleitet wird, handelt es sich um das Tischgebet „Shir hamaalot“. Dem Text dieses Gebets liegt ein Psalm Davids zugrunde, der noch vor dem babylonischen Exil entstand. Es handelt von der prophetischen Vorstellung, dass das jüdische Volk eines Tages im Exil leben und um seine Heimat trauern werde. Die letzte Melodie, die der Komposition zugrunde liegt, ist die des Totengebets „El male Rachamim“, das zu Beerdigungen und an Trauertagen gesungen wird. Insbesondere nach dem Holocaust wurde jenem Gebet eine hohe Bedeutung zugeschrieben. Es gilt seither auch als Trauergebet für die Opfer des Holocausts. Beinahe jede klangliche und Melodie-Linie in „Diaspora“ basiert auf jenen drei Melodien. Sie können unverändert zitiert oder verfremdet vorkommen, meist jedoch in einer Gestalt, in der sie nicht mehr als die originalen Melodien zu erkennen sind.

Das Stück entstand 2008 für die Orchesterwerkstatt Halberstadt und wurde mit dem Andreas-Werckmeister-Preis ausgezeichnet.

Elischa Kaminer


Leonard Bernstein (1918-1990) 1. SINFONIE („JEREMIAH“)

Alle drei Sinfonien von Leonard Bernstein kreisen um das Problem des menschlichen Glaubens – an Gott, vor allem aber an sich selbst. In der 1. Sinfonie, „Jeremiah“, wird eine Glaubenskrise – am Beispiel der Zerstörung des Tempels von Jerusalem – dargestellt; die Zweite, „The Age of Anxiety“, schildert die Suche des Menschen nach Sinn; die Dritte, „Kaddish“, verkündet Glaubenserneuerung aus dem Leid.

1939 skizzierte Leonard Bernstein ein „Lamento für Sopran und Orchester“, legte den Entwurf jedoch zur Seite. Als er 1942 mit seiner Arbeit an der 1. Sinfonie begann, griff er auf diesen Satz zurück, ersetzte den Sopran aber durch einen Mezzosopran. Ende 1942 waren die drei Sätze der Sinfonie vollendet.

„Jeremiah“ beginnt mit einem Thema, das aus jüdisch-litargischen Formeln abgeleitet ist: Dem „Amen“ für das Passah-Fest und einer Kadenz, die beim Amidah-Gebet an hohen Feiertagen verwendet wird. Aus diesem zweiteiligen Thema entwickelt sich das ganze Geschehen des ersten Satzes, „Prophecy“ („Weissagung“). Im zweiten Satz „Profanation“ („Entweihung“), einem Scherzo, paraphrasiert Bernstein den traditionellen hebräischen Bibelgesang am Sabbat. Der dritte Satz, „Lamentation“, mit Texten aus der Klage des Jeremias, gesungen vom Mezzosopran, stützt sich musikalisch auf eine Motivsequenz aus den Gesängen am Tag der Trauer um den Tempel, „Tisha B’Av“. Eines der Motive ist eine Variation der „Amidah“-Kadenz aus dem ersten Satz, womit die Erfüllung der Weissagung angedeutet wird und der Kreis sich schließt.

Die Sinfonie wurde 1944 von Jennie Tourel (Mezzosopran) und dem Piitsburgh Orchestra unter der Leitung des Komponisten uraufgeführt. Im gleichen Jahr gewann sie den New York Music Critics’ Circle Award. Auch bei Bernsteins erstem Aufenthalt im damaligen Palästina im April 1947 stand das Werk auf dem Programm.

Gerhard Persché


Georg Friedrich Händel (1685-1756): ISRAEL IN ÄGYPTEN (AUSZÜGE)
Oratorium in zwei Teilen in der 1833er Bearbeitungvon Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)

Mit kaum einem anderen Werk des 18. Jahrhunderts hat Felix Mendelssohn Bartholdy sich während seiner Dirigentenkarriere so häufig auseinandergesetzt wie mit Händels Oratorium „Israel in Ägypten“. Am 26. Mai 1833 gab er damit sein Debüt auf den Niederrheinischen Musikfesten, das so erfolgreich war, dass Teile des Werks zwei Tage später in einem ad hoc organisierten Konzert wiederholt werden mussten. Noch im gleichen Jahr führte er das Werk im Rahmen seiner im Oktober 1833 angetretenen Stellung als Düsseldorfer Musikdirektor am 22. Oktober ein zweites Mal auf. 1836 folgte eine Aufführung in der Leipziger Paulinerkirche, 1842 eine weitere auf einem Niederrheinischen Musikfest in Düsseldorf und 1844 eine letzte in Berlin. Wiederholt brachte Mendelssohn darüber hinaus einzelne Sätze des Oratoriums in Konzerten zur Aufführung. Frucht dieser eingehenden praktischen Auseinandersetzung ist eine Ausgabe, die Mendelssohn 1845 für eine geplante Gesamtausgabe der englischen Handel Society veröffentlichte.

Am 7. März 1833 erging an Mendelssohn die Anfrage, ob er die Leitung des 15. Niederrheinischen Musikfestes übernehmen wolle. Der erste Tag des Festes bot traditionsgemäß ein Oratorium des 18. Jahrhunderts. In diesem Jahr hatte das Festkomitee Händels „Israel in Ägypten“ ausgesucht. (Im Hintergrund der Anfrage an Mendelssohn standen Bemühungen, den gerade 24jährigen als städtischen Musikdirektor zu gewinnen.) Bis dahin war Händels Oratorium mit Orchesterbegleitung in Deutschland erst einmal aufgeführt worden, nämlich 1831 in Mendelssohns Heimatstadt Berlin durch die dortige Sing-Akademie unter der Leitung von Carl Friedrich Zelter. Mendelssohn nutzte seinen Londoner Aufenthalt vor dem Düsseldorfer Musikfest, um nach den originalen Quellen von Händels Oratorium zu fahnden. Diese kritische Überprüfung der verfügbaren Editionen anhand der Originalquellen zeichnete Mendelssohns Händel-Aufführungen aus. Mendelssohn fand in London nicht nur Händels Kompositionspartitur in der Königlichen Bibliothek. Zudem zeigte ihm der Londoner Dirigent George Smart ein altes Textbuch, über das Mendelssohn nach Düsseldorf berichtete, es sei „unter Händel gebraucht worden“. Darin gab es viele Sätze, die in der gedruckten Arnold-Partitur nicht enthalten waren. Mendelssohn integrierte daraufhin einige Rezitative und Arien aus diesem Fund in seine 1833er Aufführung. Ein pragmatischer Grund erforderte es, bei der Düsseldorfer Aufführung über die originale Instrumentierung Händels hinauszugehen und zusätzliche Stimmen für Blasinstrumente hinzuzufügen: In dem für die Niederrheinischen Musikfeste genutzten Brettersaal im Gartenlokal des Anton Becker vor der nördlichen Stadtgrenze stand keine Orgel zur Verfügung. Da Mendelssohn für seine Israel-Aufführungen in Leipzig und Berlin 1836 und 1844 eine Orgel zur Verfügung stand, verzichtete er dort auf zusätzliche Blasinstrumente.

Über die letzten Proben und Aufführungen gibt es detaillierte Berichte von Vater Abraham Mendelssohn, der nach Düsseldorf gereist war, um an den Erfolgen seines Sohnes teilzuhaben. So schreibt er am Pfingstsonntag, dem 26. Mai 1833: „Gestern abend war Generalprobe von Felix’ Ouvertüre und Israel … Die Ouvertüre gefiel sehr, aber der letzte Chor des ersten Teils … ‚Er gebeut der Meeresflut – und sie trocknete aus’ und dann der erste des zweiten Teils mit seinem furchtbaren Schluß: ‚Roß und Reiter hat er in das Meer gestürzt’ erregten unter den Hörern und Ausführern einen so ungeheuren Jubel, eine Aufregung, wie sie mir selten vorgekommen, es dauerte ¼ Stunde, ehe alles wieder ins Geleis kam. Und dies in einer bezahlten Generalprobe. … Sie glauben hier, Felix habe die Ouvertüre für das Fest geschrieben, und finden sie außerordentlich charakteristisch dem Oratorium angepasst, merkwürdig genug ist, dass der Zufall es so fügt, dass ich mir wirklich keine bessere Ouvertüre zu Israel wünsche.“

Das Düsseldorfer Komitee hatte an Mendelssohn den Wunsch herangetragen, eine eigene Ouvertüre zu dem Händelschen Oratorium zu komponieren. Mendelssohn hatte auf seine bereits 1825 komponierte Trompetenouvertüre zurückgegriffen.

Am folgenden Tag berichtet Abraham Mendelssohn: „die gestrige Aufführung war sehr schön, der Saal so voll, wie er nach officiellen Nachrichten noch nie war. Felix wurde beim Herauftreten auf seinen Platz durch einen General Tusch des Orchesters und sehr lebhaften Applaus des Publikums begrüßt; seine Ouvertüre ging vortrefflich. Nach kurzer Pause die erste Abtheilung von Israel, dann eine Stunde Pause, und nun ging das Zechen im Garten los; dann der 2.te Theil. Die Chöre gingen größtentheils so vortrefflich, wie ich sie noch nicht gehört, die Soli waren schwächer, desto stärker aber die unglaubliche Hitze. Danach war das Publikum sehr rege, und applaudirte außer der Ouvertüre auch mehrere Chöre, und ein Duett, welches die Decker mit der Utrechterin; auch dies soll sich hier selten ereignen, und das Publikum gewöhnt sein, in den Oratorien still zu bleiben. Um 10 Uhr war der Spaß aus.“

Eine einzige Zeitungskritik besprach die erste Aufführung von 1833. Nur pauschal wurde die in keinem Vergleich zu früheren Musikfesten stehende „ausgezeichnete Ausführung … der Strenge und dem unermüdlichen Fleiße des Herrn Dirigenten, dem vortrefflichen Felix Mendelssohn-Bartholdy“ zugeschrieben. Bei späteren Aufführungen Mendelssohns lobten Kritiker u. a. „die deutliche Aussprache, auf welche so selten Rücksicht genommen wird.“

Thomas Synofzik


QUELLEN: Der Artikel zu Elischa Kaminers „Diaspora“ ist ein Originalbeitrag des Komponisten | Werkeinführung zu Leonard Bernsteins 1. Sinfonie von Gerhard Persché aus: Harenberg Konzertführer, Dortmund 1999 | Werkeinführung zu Mendelssohn Bartholdys Bearbeitung von Händels „Israel in Ägypten“ von Thomas Synofzik aus: Booklet zur CD-Einspielung bei CPO (Best.-Nr. 9583481)